Wenn ein geliebtes Haustier stirbt - wie sag ich's meinem Kind?



Lange Zeit begleitet ein geliebtes Haustier das Aufwachsen deines Kindes. Das Kind erhält im Umgang viele Informationen über Fürsorge, Treue, bedingungslose Liebe und lernt Verantwortung zu übernehmen.

Das Haustier wird zum treuen Begleiter und oft zum besten Freund, zum Kummerkasten und zum Schmusegefährten. Eines Tages dann ist es soweit, das Tierchen ist alt, vielleicht auch krank und es heißt Abschied zu nehmen.


Das Wesen des Abschieds


Nach all den positiven Gefühlen erfährt das Kind nun vielleicht zum ersten Mal den Schmerz des Verlustes, es erfährt die Trauer. Es erkennt, dass das Leben endlich ist, eine Erfahrung, die gerade einem Kind unglaublich fern liegt.

Aber wie nun geht man am besten damit um? Was sagt man als Mama/Papa um Trost zu spenden? Was sollte man tun oder besser nicht? Die Antworten hierauf sind so individuell wie der Mensch - bei jedem ist es anders. Es gibt einfach kein Geheimrezept. Vielleicht hilft es, wenn ich von den Erfahrungen meiner Kinder berichte, vielleicht gibt dies eine kleine Richtung vor.


Der natürliche Umgang


Vorweg ist zu sagen, ich komme vom Land. Dort gehört der Zyklus des Lebens, die Zeugung, die Geburt, das Aufwachsen und der Tod eines Tieres einfach dazu. Eine Henne legt Eier, brütet und kleine Küken schlüpfen. Diese werden groß und entweder legen sie irgendwann selber Eier oder werden geschlachtet und man hat Hähnchen zum Mittag oder macht eine Suppe daraus. Die Kühe werden besamt, sie werden trächtig, sie kalben und aus den Kälbern werden Rinder und irgendwann auch wieder Kühe, die Milch geben.

So wie im Frühling die ersten grünen Halme auf dem Acker sprießen, so wie die Ähren im Spätsommer gelb leuchten und so, wie im Herbst geerntet wird und man Stroh und Korn erhält - so ist das Leben ein stetiges Kommen und Gehen und der Tod hat nicht umsonst für seine Ernte eine Sense....

Nichts bleibt, alles ändert sich, alles ist im Fluss.

Meine Kinder haben dies schon früh gelernt, es ist nicht neu - und doch ist der Tod eines geliebten Tieres jedes Mal schlimm.


Plötzlich und doch erwartet


Vorgestern starb die Häsin meiner Tochter, nachdem drei Tage vorher Brustkrebs und ein weiterer Tumor im Körper des kleinen Schätzchens entdeckt wurde. Meine Tochter reagierte mit Tränen - und dann erstaunlich gelassen. Wir entschieden, solange mit einer Erlösung zu warten, bis die Kleine nichts mehr fressen würde. Und da sie weiterhin fraß, war noch alles ok. Vorgestern nun entdeckten wir, dass sie einfach eingeschlafen war, offensichtlich völlig entspannt und gelassen.



So machen wir das


Natürlich habe ich mit meiner Tochter ein Grab ausgehoben, recht tief und direkt neben dem herrlichen Rosenbusch. Meine Tochter nahm den kleinen Leichnam und bettete ihn sanft im Grab. Einmal noch streicheln, dann wurde das Grab geschlossen und viel Erde darauf gehäufelt. Jede kleine Bewegung erforderte Zeit - und genau diese muss man sich in solchen Momenten nehmen.

Zeit für die Trauer und Zeit für das Loslassen.

Verlust entschleunigt, Verlust hält die Zeit an, Verlust bringt plötzliche Stille.


Der Neubeginn


Und dann, einen Tag später, ist die Zeit für den Neubeginn, für das Sortieren von Gedanken und Dingen. Der Stall wurde komplett gereinigt, damit der verbleibende Hase auch mit dem Verlust umgehen kann. Das mag eine menschliche Sicht sein, Aktion und Handlung sind jedoch ein bewährtes Mittel zur Trauerbewältigung.

Und dann, wenn alles fertig ist, kehrt wieder Ruhe ein, nach der Stille ist die Ruhe etwas anderes. Stille ist das Fehlen von Geräusch, Ruhe ist die Sanftheit von minimalen Geräuschen.

Wenn man dann beginnt, wieder an die Zukunft zu denken - was werden wir nun tun, wie gehen wir weiter vor, dann ist das Schlimmste geschafft. Diesen Prozess sollte man als Eltern gezielt steuern und leiten. So wie Tränen einen Ort und eine Zeit haben, so hat auch der Alltag und die Zukunft einen Ort und eine Zeit.

Denn dies bedeutet nicht, dass man vergisst. Vielmehr wird die Erinnerung ein fester Bestandteil des Denkens und wird, ganz unbewusst, das Handeln beeinflussen.


Fazit

Meine Kinder haben den Tod als natürliches und unweigerliches Ereignis lange erkannt und können recht gut damit umgehen. Fernhalten von allem scheinbar Negativen ist für uns der falsche Weg. Nur, wenn man sich einem Schatten stellt, kann man das Licht sehen.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass alle Kinder den Tod als natürliches Ereignis erkennen können, sie dürfen ihn sehen, sie dürfen ihn berühren und sie dürfen damit interagieren. Sie dürfen entsetzt sein, sie dürfen weinen und trauern. Und sie dürfen getröstet werden.

Und dann dürfen sie auch wieder an morgen denken und lachen - genau so ist das Leben, so und nicht anders, weder bei mir, noch bei dir oder bei irgend wem.


Euer Gartenäffchen


Kommentare:

  1. Ach Petra, was soll man da sagen/schreiben?
    Für Kinder ist ein Haustier noch einmal MEHR als für uns Erwachsene. In unserer Gesellschaft ist es leider inzwischen so, dass der Tod von Kindern FERN GEHALTEN WIRD. Man zeigt keine Trauer, Tränen schon gar nicht. Dabei gehört das nun leider zum LEBEN dazu. Ihr macht das genau richtig!

    ♥liche Grüße
    Ellen
    ..... und bekuschelt euren königlichen Kater jetzt noch mal mehr (soweit ihre königliche Hoheit sich das eben gefallen läßt).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, dieses Fernhalten, das war der Tenor meines Posts, das finde ich nicht richtig. Und die Majestät ist eh sowas von eifersüchtig....und seine Schmuseeinheiten bekommt das alte Männlein ja eh ständig und immer :-)

      Löschen
  2. Liebe Petra,
    ich finde den Beitrag toll. Mir stellt sich nur eine Frage: "was, wenn der Abschied selbst mich als Erwachsene so aus der Bahn wirft dass ich nicht der Halt dein kann den das Kind braucht.." Dazu eine kleine traurige Geschichte: vor etwa vier Jahren haben wir im Garten ein klitzekleines fast verhungertes Kätzchen gefunden. Ich fütterte den kleinen zehn Tage lang alle zwei Stunden mit meiner eigenen Muttermilch (aufgetaut aus dem Tiefkühlfach), sogar in der Arbeit. Die ganze Familie freute sich über jeden wackligen Schritt den der kleine Rudi machte. Na 10 Tagen hörte Rudis Herz in meiner Hand einfach auf zu schlagen... wir waren todtraurig, wollten auf ein Kätzchen aber nicht verzichten. Wir fanden bei EbayKleinanzeigen Rosi und holten sie ab aus einer Wohnung in der sie in einem Kaninchen-Käfig gehalten wurde. Nach vier Tagen hatte ich die kleine superanhängliche Mietz flohfrei... am fünften Tag kam ich von Arbeit heim und fand sie halb tot unter dem Sofa. Der Tierarzt konnte nichts mehr für sie tun außer sie zu erlösen. Sie hatte die tödlichen Darmbakterien wohl schon als wir sie GEKAUFT hatten... ich saß mit der zweiten toten Baby-Mietz innerhalb von 14 Tagen im Auto und musste die Kinder vom Hort abholen....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das wirft einen bestimmt ganz schön aus der Bahn. Du hast Recht, innere Stärke kann auch in Extremsituationen kippen. Ich hoffe für dich, dass du sowas nie mehr haben wirst!

      Löschen
  3. Der Tod ist etwas, Das Kinder noch nicht verstehen, nicht begreifen können. Ich habe es deshalb damals, als unser alter Kater Patrick starb, in eine Geschichte verpackt. Meine Kinder haben das Phänomen des Todes besser annehmen können. Zu lesen bei meinen Kolumnen im Dezember 2015. " Patrick stieg in den Sternenwagen". Vielleicht schaust du vorbei. www.mia-bruckmann.de

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn die Kinder klein sind, ist das echt klasse, das verbildlicht etwas, was auch wir Erwachsene eigentlich ja nicht erklären können.

      Löschen