Vom Teufel, Gold und Habsucht

Vom Teufel, Gold und Habsucht


Die Tage werden kürzer, die Dunkelheit senkt sich auf unser Land und damals wie heute ist es die Zeit, Geschichten weiter zu geben, den Sagen und Legenden neues Leben einzuhauchen. 

In meiner Heimat gibt es kalte Orte, an denen einem ein Schauer den Rücken hinab läuft, wenn man nur in ihre Nähe kommt, es gibt Wege, die durch einen grauen Wald führen und man glaubt, in der Ferne ein Flüstern wahrzunehmen und es gibt Seen, so tief, dass man den Grund niemals finden wird. 


Aus dieser Gegend will ich heute eine Legende weitergeben, welche sich seit Jahrhunderten in den kalten Winternächten erzählt wird, eine Legende, die niemals vergessen werden darf. 


Es war einmal ein Ort, welcher direkt an der Quelle eines Baches in einem dichten Wald errichtet war zu einer Zeit, in der die Häuser noch aus Holz und Lehm waren und die Dächer noch mit Schilf und Gras gedeckt waren. Die Bewohner des Dorfes lebten ein sehr einfaches und bescheidenes Leben, sie ernährten sich von Wild und ein wenig Ackerbau auf dem kargen Boden vor dem Wald.  

Die Quelle war ihr Stolz, denn sie versiegte nie und versorgte den kleinen Ort und das Vieh mit kristallklarem Wasser. Jede Gemeinschaft hatte auch zur damaligen Zeit einen Dorfvorsteher, welcher es sich zur Aufgabe machte, die Geschicke des Dorfes immer zum Guten zu lenken.

Werkens war der Dorfvorsteher und machte seine Sache gut, er stellte sein eigenes Wohl immer hinter das der Anderen. Nun wurde es Herbst und wie in jedem Jahr brausten die Herbststürme gewaltig durch den Wald und verursachten Schäden. Die Menschen waren daran gewöhnt und es machte ihnen nichts aus. 

Ein Wind jedoch wehte eines Tages etwas seltsames in den kleinen Ort: die Habgier. Sie kam ganz leise und schlich sich in die Herzen der Menschen. Sie hatte einen Bruder, den Neid. Auch er war nun ein Teil des Lebens, denn jetzt war es auf einmal wichtig, wie groß die Hütte war, wie viel Vieh jemand hatte und ob er Stiefel trug. Das Lachen wurde weniger, das Vertrauen war fort. Mütter waren neidisch auf ihre Töchter, Schwestern hassten ihre Brüder. 
Die Habgier flüsterte den Menschen ein, es wäre gut, etwas zu nehmen, wenn man es nur haben wolle...Und der Neid ließ die Menschen in Unzufriedenheit darben.

In einer Nacht jedoch, so gegen Ende Oktober, da erhob sich ein nie gesehenes Unwetter und tobte über die Hügel und Wälder. Es blitzte und donnerte, die Winde ließen sogar die mächtigsten Eichen zerbersten und splittern. Es war, als ob der Zorn Gottes die Menschen treffen wolle. 

Ein Dröhnen und Brausen erhob sich und die Menschen fürchteten sich. Sie suchten Schutz bei Werkens, denn er wusste immer, was zu tun war. 
In jener Nacht jedoch, da wusste auch er keinen Rat mehr. Er betete und flehte, doch der Sturm schwoll immer weiter an.

Da schlug die Tür zu seiner Hütte auf und im Schein eines Blitzes sahen die Menschen eine seltsame Gestalt. Man erzählt sich heute noch, dass die Gestalt Hufe hatte und Hörner und dass ein merkwürdiger Geruch sie umgab. 

Die Gestalt sprach mit finsterer Stimme:
 
"Die Rettung bin ich, wenn ihr mir den Vorstand eurer Gemeinde übergebt, wenn ich euer neuer Dorfvorstand bin, werde ich euch retten." 
Werkens traute der Gestalt nicht:
"Wer bist du und woher kommst du?"
"Mein Name ist nicht wichtig, ich werde euch retten!" sprach der finstere Mann.
"Was ist dein Preis? Dorfvorstand? Das ist nicht möglich, du kannst nur Vorstand werden, wenn ich tot bin!" sprach Werkens.
"Nun, so sei es!" und Werkens fiel zu Boden und war sofort tot. Die Menschen fürchteten sich und so wählten sie den seltsamen Gast zum Dorfvorstand - und plötzlich war das Unwetter fort - nicht ein Tropfen Regen fiel mehr vom Himmel und kein Lüftchen regte sich mehr. 
Die Bewohner gingen in ihre Häuser und dachten nun, dies wäre alles gewesen, mit so einem finsteren Gesellen würden sie wohl fertig werden. 
In den kommenden Wochen wurde es kalt, der Winter brach herein - ein wenig früh, aber durchaus nicht ungewöhnlich. Eines Abends ging Marie zur Quelle und ließ den Eimer hinab - jedoch blieb er leer. Der Brunnen war versiegt. Die Leute liefen zu ihrem dunklen Bürgermeister und berichteten vom Brunnen. 
Er fragte: "Wollt ihr, dass der Brunnen wieder Wasser führt?" "Ja, und er soll nie mehr versiegen!" riefen die Menschen."Nun, so sei es!" grinste der Vorstand.
Und die Quelle führte wieder Wasser. Das Wasser stand so hoch im Brunnen, dass es über den gemauerten Rand quoll. Unablässig sickerte das Wasser heraus. Der Boden um den Brunnen wurde weich und sumpfig. Erst ein wenig, doch dann breitete sich der Sumpf aus, mehr und mehr. Langsam sanken die Hütten ein, immer ein wenig mehr, langsam, aber unaufhörlich.
Wieder fragten die armen Leute den finsteren Mann, was sie tun sollten. Die Antwort war unerwartet: "Werft all euer Gold hinein, dann wird alles gut!" 
Das war viel verlangt, hatten sie doch mit viel Mühe in ihrer Habgier so manchen Schatz gehortet und gestohlen. Doch bevor nun alles versinken würde, nun, dann besser einige kleine Münzen in den Brunnen geworfen, nicht wahr?
Uns so warfen die Menschen einige wenige Gegenstände hinein: Krüge, Münzen, Haarspangen und Ringe. Doch alles half nichts, der Sumpf breitete sich aus. Sie warfen mehr hinein und der Teufel lachte. "Ihr müsst hinein werfen, was ihr am meisten liebt!"
Und so warfen sie all ihr Gold hinein, doch es war zwecklos. Sie erkannten nicht, dass er ihre Seelen gefordert hatte. Wütend gingen die Leute zum Teufel, packten ihn und warfen ihn in den Brunnen. In diesem Moment versank das ganze Dorf in einer einzigen Sekunde und viele Menschen fanden den Tod.

Die überlebenden Bewohner verließen den Sumpf, um in der Nähe, etwas unterhalb, ein neues Dorf auf sicherem Grund zu errichten. Jedoch wagten alle Jahre immer einige wenige verwegene und besonders gierige Menschen den Weg zurück ins alte Dorf, um all das schöne Gold zu holen - keiner von ihnen wurde je wieder gesehen.

Das neue Dorf gibt es noch heute und das alte Quelldorf, es ist immer in der Erinnerung präsent, sie wird mit den Legenden am Leben erhalten. Tief im Wald, da wo es besonders sumpfig ist, dort ist die Quelle immer noch. Das neblige, graue. nasse Gelände ist abgesperrt und nicht einmal die Tiere des Waldes trauen sich hierher.

Vor einigen Jahren waren einmal Archäologen dort, um Ausgrabungen zu machen, auch sie hatten vom vielen Gold gehört und wollten von den Warnungen der Menschen nichts hören. Sie hatten Theorien und die modernste Technik, mit der sie die Quelle trocken legen wollten. Also fuhren sie nah an den Ort heran und waren verwundert, dass sie nichts hörten, kein Vogelzwitschern, keinen Lufthauch. Der Boden war ungewöhnlich schwarz und schien jedes Geräusch zu schlucken. Geräusche und Licht und...

Nun, die Quelle hatte nicht alle Seelen erhalten, sie wird wohl für immer weiter sprudeln, sie wird niemals mehr versiegen. 

Es stellte sich für die Archäologen als völlig unmöglich heraus, dort zu graben, denn alles versank unaufhörlich in dem schwarzen Sumpf ohne Boden, die Technik nutzte hier nichts. 

Und als die Forscher wieder gingen, da hörten sie hinter sich ein Geräusch in der Stille, ein Lachen, noch finsterer und dunkler als der Seelensumpf....


Wenn du willst, fahre ich mit dir vielleicht mal hin, aber ich bleibe in sicherer Entfernung, glaub mir... 
Und wenn du das Böse wirklich sehen möchtest.....

Kommentare:

  1. Huuuuuh, eine S C H A U R I G E Geschichte.
    Und den Supf gibt es wirklich? Meist ist ja tatsächlich an den alten Sagen irgend was wahres dran.
    Wir haben bei uns in der Nähe eine alte Buche, die vor rund 200 Jahren auf ein Hügelgrab gepflanzt wurde. Ein sehr gehomnisvoller Ort, und die Buche scheint Geschichten zu erzählen. Ich wüßte Gerne die Geschichte von dem Hügelgrab, aber da findet man nichts drüber in den Chroniken.
    Herzliche Grüße,
    Annette

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  2. Liebe Petra, das ist eine ganz wunderbare Geschichte! Solche Denkanstöße sind in unserer Gesellschaft immer passend! Hab einen schönen Tag! LG, Mia

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  3. Wow! Eine tolle Geschichte! Ich liebe Urban Legends! Wünsche dir ein schönes Halloween!

    Lg Nadine von NannisWelt

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